Johannes-Sassenbach-Gesellschaft 25 Jahre alt

Unter den Linden 15 in Berlin-Mitte war der ehemalige Sitz des FDGB-Archivs und 1992 Gründungsort der Johannes-Sassenbach-Gesellschaft. Heute residiert dort die Deutsche Bank.

 

Am 12. August 1992 wurde die Johannes-Sassenbach-Gesellschaft gegründet. Ein Text erinnert an dieses erste Treffen von HistorikerInnen und GewerkschafterInnen aus West- und Ostdeutschland und die Ziele, die bis heute gelten.

 

Am Nachmittag des 12. August 1992 trafen in Berlin, Unter den Linden 15, 18 Personen zusammen, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, Historikerinnen und Historiker. Diese Versammlung hob die Johannes-Sassenbach-Gesellschaft e.V. aus der Taufe. Ziel des Vereins war die Erhaltung der umfangreichen Bestände der Zentralbibliothek und des Zentralarchivs des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), die seit dem Oktober 1990 in der Johannes-Sassenbach-Stiftung vereint waren. Die Gründung dieser Stiftung war notwendig geworden, nachdem der FDGB im September 1990 aufgelöst wurde.

 

Interessen wahren

Die Geschichte von Stiftung und Gesellschaft ist also direkt mit dem Reformprozess in den Gewerkschaften der DDR verbunden. Die Sassenbach-Stiftung beschloss im Sommer 1992 die Bestände von Archiv und Bibliothek in die dem Bundesarchiv zugeordnete Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO) einzubringen. Sie stellte im September 1993 ihre Tätigkeit ein. Die Interessen der „Einbringer“ sollte die neu gegründete Sassenbach-Gesellschaft wahren. Zudem sollte sie die Forschung der Geschichte auf dem Gebiet der Gewerkschafts- und Sozialgeschichte fördern. Als Vorsitzende wählte die Versammlung Prof. Dr. Helga Grebing, Stellvertreter wurden Friedhelm Busse und Horst Singer, weitere Vorstandsmitglieder waren Frank Heidenreich und Prof. Dr. Hermann Weber.

 

Bedeutsamer Namenspatron

Mit Johannes Sassenbach wurde ein zwar weitgehend vergessener, aber für die deutsche und internationale Gewerkschaftsbewegung bedeutsamer Namenspatron gewählt. Er steht für die Verbindung von Wissenschaft und Gewerkschaftsbewegung, für internationale Vernetzung und herausragendes Engagement in der gewerkschaftlichen Bildungs- und Bibliotheksarbeit.

 

Erste Zwischenbilanz 2002

Als die JSG ihr zehnjähriges Jubiläum feierte, hoben die Festredner das Erreichte hervor – und dies konnte sich sehen lassen, Publikationen, Schriften- und Vortragsreihe und einiges mehr, was nicht zuletzt durch die seit der Gründung erreichte Unterstützung mehrerer Mitgliedsgewerkschaften des DGB, aber auch der damals noch eigenständigen DAG und des Beamtenbundes möglich geworden war. Helga Grebing, mittlerweile Ehrenvorsitzende, zählte einige Forschungsfelder auf, die ihrer Meinung nach verstärkt angegangen werden sollten, darunter vergleichende europäische, internationale Projekte zu Arbeitsverhältnissen einschließlich von Zwangsarbeit, die Geschichte als historisch-politischer Orientierungspunkt für die Zukunftsfragen der Gewerkschaften. Ein umfassendes Forschungsprogramm, das die JSG natürlich nicht erfüllen könne. „Aber sie kann ja Wege suchen, Grundsatzfragen vor Augen, sich partiell einzubringen in die aktuelle Diskussion. Gelänge dies, wären die nächsten zehn Jahre nicht die letzten zehn der JSG.“

 

Mit Engagement in die Zukunft

Seit diesem Aufruf sind bereits mehr als zehn Jahre vergangen. Seitdem wurde weiteres erreicht – darunter die Neubelebung der Schriftenreihe, eine erfolgreiche Jubiläumsveranstaltung zu Sassenbachs 150. Geburtstag im vergangenen Jahr – aber vieles bleibt zu tun, darunter vor allem die Intensivierung der Kontakte mit jüngeren Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern und mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs. Wie gut und erfolgreich Helga Grebings Vorschlag umgesetzt werden kann, hängt vor allem vom ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder und des Vorstandes ab. Lasst uns in diesem Sinne gemeinsam das Beste versuchen.

 

Detlev Brunner

Protokoll und Satzung