Nachruf auf Helga Grebing

Die Johannes-Sassenbach-Gesellschaft trauert um ihre Ehrenvorsitzende Helga Grebing. Sie verstarb am 25. September 2017 nach zweimonatiger schwerer Krankheit.

Helga Grebing 1930 - 2017 Copyright: Wikimedia Commons/Helga Grebing, Fotoarchiv

Helga Grebing wurde am 27. März 1930 in eine Arbeiterfamilie in Berlin-Pankow geboren.  Ab 1949, nicht einverstanden mit der politischen Entwicklung der DDR, studierte sie an der Freien Universität Berlin, wo sie auch promovierte. Es folgten Tätigkeiten in der politischen Bildung, im Jahre 1969 in Frankfurt a.M. wurde sie im Fach Politische Wissenschaft habilitiert.  Helga Grebing lehrte als Professorin an den Universitäten Frankfurt a.M., Göttingen und Bochum. Dort leitete sie das Institut zur Erforschung der europäischen Arbeiterbewegung; 1995 wurde sie emeritiert.


Als engagierte Sozialdemokratin und Gewerkschafterin wie  als akademische Lehrerin zeigte sie sich offen für Ideen und Bewegungen, die sich keineswegs in klassische sozialdemokratische Raster einfügen ließen. Dazu kam, dass sie die Beschäftigung mit Geschichte nicht als ein akademisch abgehobenes Unterfangen ansah, sondern stets die Vermittlung von Geschichte im emanzipatorischen demokratischen Auftrag suchte.


Die Johannes-Sassenbach-Gesellschaft wäre ohne das Engagement Helga Grebings nicht denkbar. Ihre Autorität als „Nestorin“ der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, ihre vielfältigen politischen und gewerkschaftlichen Kontakte halfen maßgeblich, die reichhaltigen Archiv- und Bibliotheksbestände des FDGB im vereinten Deutschland zu sichern und in eine Stiftung des Bundesarchivs einzubringen.


Helga Grebing war in jenen „Wendejahren“ eine gesuchte Gesprächspartnerin, und vielleicht war die eine oder andere Begegnung auch eine späte Genugtuung. Aber in der Sache spielten diese atmosphärischen Strömungen keine Rolle – es ging um den Erhalt von Kulturgut im Interesse nicht nur der Arbeiterbewegung, sondern der Geschichte insgesamt. Seit der Gründung der Johannes-Sassenbach-Gesellschaft am 12. August 1992 bis zum 19. März 1998 stand Helga Grebing der Gesellschaft als erste Vorsitzende vor. Seitdem war sie Ehrenvorsitzende der JSG.


Helga Grebing war bis zuletzt wissenschaftlich und politisch engagiert. Die Johannes-Sassenbach-Gesellschaft wird ihre Erfahrung und ihren Rat vermissen. Ihr Engagement für soziale Demokratie und soziale Gerechtigkeit und auch der Mut zur Utopie, den sie sich bis zuletzt bewahrt hat, sind unser Vermächtnis.


Detlev Brunner